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„Viele gehen mit ihren Autos besser um als mit ihrem einzigen Körper“

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„Viele gehen mit ihren Autos besser um als mit ihrem einzigen Körper“
 
Die Deutschen sind die dicksten Europäer –diese Nachricht hört man überall. Nicola Sautter hat mit Besser essen. Leben leicht gemacht vor 2 Jahren ein Projekt ins Leben gerufen, das vor allem gesunde Ernährung und Spaß an der Bewegung innerhalb der deutschen Familien bewirken wollte. In diesem Frühjahr hat sie zwei neue Bücher auf den Markt gebracht. Besser Essen 2 sowie Wellcook. (Beide erschienen im Zabert Sandmann Verlag). Wir haben die Ernährungsberaterin und Buchautorin getroffen.

mach 2: Wie beurteilen Sie das Ernährungsproblem der Deutschen?
Nicola Sautter: Ich mache mir große Sorgen, nicht nur um Kinder, auch um die Erwachsenen. Momentan sehe ich angesichts all der Angebote in den Supermärkten, der ständigen Werbung und der Täuschung der Verbraucher keine Erfolg versprechende Lösung unseres dicken Problems.
Von welcher Art Täuschung sprechen Sie?
Wir essen viele Dinge, ohne es zu wissen geschweige denn zu wollen. In vielen Nahrungsmitteln befinden sich Aromen und Glutamate, die wiederum Hunger machen und die so genannten Süßigkeitenattacken steigern.
Inwiefern ist die Nahrungsmittelindustrie schuld?
Die Nahrungsmittelindustrie hat sich auf unsere Lebensgewohnheiten perfekt eingestellt. Viele Deutsche wollen billig einkaufen und alles soll möglichst schnell gehen. Da ist es klar, dass die Industrie uns Lebensmittel präsentiert wie zum Beispiel Fertigprodukte mit nährstoffarmem Inhalt und Geschmacksverstärker. Wer sein Essen zu Hause in der Mikrowelle aufwärmt, zerstört damit sowieso alle Nährstoffe. Dann kann man erst recht billig produzierte Massenware kaufen. Dieser Trend geht für mich nach hinten los.
Was sind Ihre Ratschläge? Welche Strategien im Kampf gegen das Übergewicht empfehlen Sie?
Natürlich empfehle auch ich erst einmal die Klassiker wie: mehr Bewegung, mehr frische Lebensmittel essen. Aber ich empfehle auch die richtige Kombination unseres Essens. Um schlank, glücklich und gesund zu sein, benötigen wir eine Kombination aus guten Kohlenhydraten, guten Eiweißen und guten Fetten. Dies hab ich in „welleat“ geschrieben, meinem ersten Buch. Wichtig dabei ist: Man sollte niemals hungern, keine Diäten machen und vor allem keine Crashdiäten. In welleat lautet die gute Nachricht: Sie müssen essen um abzunehmen!
Eineinhalb Jahre nach Beginn des Ihres Projekts: Hat sich Ihr Einsatz gelohnt?
Ja, auf jeden Fall! Es hat sich viel getan. Viele haben abgenommen. Was mich sehr gefreut hat war, dass ich den Menschen ein anderes Verständnis für Nahrung mitgeben konnte, so dass sie sich auch für die ferne Zukunft fit fühlen und in der Lage sind, sich gesund zu ernähren. Dann kommt das Normalgewicht von ganz alleine. Gerade bei den Kindern und Jugendlichen konnte ich viel erreichen. Viele Kinder haben erkannt, dass ein Leben ohne Übergewicht viel mehr Spaß macht und auch größere Chancen bietet. Viele haben mir schon nach ganz kurzer Zeit gesagt, oder geschrieben, dass es ihnen viel besser gehe, sie sich besser konzentrieren können, sie beweglicher sind, bessere Laune haben, sich einfach rundum besser fühlen und dass sie überhaupt nicht das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen. Genau das ist mein Ansatz der Beratung: Aufklärung, dass Nahrung eine Wirkung hat, wie man für sich Nahrung so einsetzen kann, dass der Stoffwechsel erhöht und nicht blockiert wird, dass man auf nichts verzichten muss, aber das ein Wissen über unsere Nahrung unabdingbar ist. Wir erkundigen uns wenn wir ein Auto haben auch, welches Öl dafür am besten geeignet ist. Viele gehen mit ihren Autos besser um als mit ihrem einzigen Körper.
Welche Erfahrungen haben Sie mit den Familien gemacht?
Ich war teilweise sehr erstaunt und schockiert, wie wenig Wissen in den Familien über Nahrung, Erziehung und familiäres Zusammenleben herrschte. Dicke Kinder werden ja nicht einfach so dick, indem sie einfach so nur zu viel essen. Sie versuchen damit ein Loch zu stopfen was mit Essen nicht zu stopfen ist, denn vielen von ihnen mangelt es an Liebe, Zuspruch und Anerkennung. Kinder fangen an, grenzenlos zu essen, wenn die Eltern ihnen keine Grenzen setzen. Die Eltern müssen die Verantwortung übernehmen, sie müssen die Klügeren und Stärkeren sein, zum Wohl des Kindes, für die geistige und körperliche Gesundheit. Kinder, die grenzenlos aufwachsen, also Süßes nehmen dürfen wann sie wollen, können ihr Gespür für sich selbst und ihren Körper verlieren und nehmen dann drastisch zu, in der Hoffnung, sich endlich spüren zu können.
Wissen die Eltern denn, wie sie ihre Kinder ernähren sollten?
Das Wissen der Eltern über Nahrung war niederschmetternd. Kaum einer hat frisch gekocht, Obst oder Gemüse eingekauft, es gab hauptsächlich Fertigprodukte, viel schlechtes Fett, große Mengen und vor allem hat jeder so vor sich hin gegessen, keine Rituale, keine Gespräche, einer vor dem TV, der andere vor dem PC, der andere im Stehen nebenher. Viele hatten nicht mal einen Esstisch. Essen geschah einfach so zwischendurch- völlig planlos.
Was hat den Familien besonders Spaß gemacht?
Sie waren begeistert, dass mein Essen satt macht und dass sie nicht hungern müssen. Da ich mich erst einmal erkundigt habe, welche Neigungen und Talente sie haben, hat ihnen auch mein Sportprogramm gefallen. Bei Kindern ist es ganz wichtig, dass man sie fragt, welchen Sport sie gerne machen würden und sie entsprechend fördert. Kinder spüren ihre Talente ganz genau und sind auch darin dann richtig gut aber vor allem auch motiviert. Die Familien sind sehr gerne mit mir einkaufen gegangen, waren erstaunt darüber, was es sonst noch so im Supermarkt zu kaufen gibt.
Worum geht es im zweiten Band von Besser Essen?
Im zweiten Band geht es hauptsächlich um Bewegung und Motivation. Es werden viele Übungen dargestellt und erklärt, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene Übungen zu Hause machen können, ohne großen Aufwand, ohne Sportklamotten. Dazu kommen viele Motivationstipps und leckere Rezepte, um in ein gesünderes Leben zu starten.
Das zweite neue Buch heißt Wellcook. Das Rezeptbuch zu Ihrem Ernährungs-programm Welleat. Welche Idee steckt hinter Welleat?
Die Grundaussage von welleat ist erstmal: Sie müssen essen, um abzunehmen. Hungern und Kalorienzählen bringen auf Dauer nichts. In Welleat kann man auf ganz einfache Weise lesen, wie Sie essen, also wie Sie Ihr Mahl kombinieren, dass Sie satt, schlank und auch noch gut gelaunt werden. Das funktioniert, denn mit der richtigen Nahrung können wir den meisten Einfluss auf unser körperliches und geistiges Wohlbefinden nehmen. Welleat funktioniert überall, zu Hause, unterwegs, in der Kantine, Sie brauchen nur etwas Wissen darüber, was Sie Ihrem Körper an Nahrung bieten müssen. Dann macht er den Rest ganz von alleine. Neben ausreichendem Trinken du Bewegung, muss der Stoffwechsel auf Hochtouren gebracht werden. Und das klappt mit welleat hervorragend.
Das Welleat-Konzept soll uns dabei unterstützen, Beschwerden zu lindern, Verdauungsprobleme und Müdigkeit zu bekämpfen. Wie passiert das? Ist es tatsächlich so leicht, Probleme durch richtige Ernährung zu lösen?
Es gibt natürlich viele Gründe, warum Menschen krank werden. Ich bin jedoch der Überzeugung, und meine Erfahrung damit gibt mir recht, dass Nahrung die stärkste Medizin ist, die wir haben. Gute Kohlenhydrate, gute Eiweiße und gute Fette machen uns und unseren Körper topfit. Hausgemachte körperliche Probleme kann man teilweise sehr leicht beseitigen: Ständige Müdigkeit verhindert man, indem man den Blutzuckerspiegel konstant hält. Wer beispielsweise unter Laktoseunverträglichkeit leidet, wird durch eine Nahrungsumstellung in Verbindung mit vermehrter Aufnahme von Ballaststoffen und guten Fetten bald wieder eine gut funktionierende Verdauung haben. So können wir auf viele Beschwerden Einfluss nehmen. Kopfschmerzen, Migräne, schlechte Laune, Konzentrationsschwierigkeiten oder Hautprobleme. Da bei welleat der Blutzucker immer relativ konstant bleibt, reduziert sich die Gefahr, an Diabetes 2 zu erkranken, massiv.
Zum Schluss: Welches ist Ihr Lieblingsgericht?
Ich liebe Vollkornnudeln mit Tofubolognese und dazu einen großen Salat mit Sprossen, Bitterschokolade mit Orangenöl, gebratenen Lachs mit Gemüse.
Interview: Vera Cremer
Nach oben 29.04.08 | Autor: Norbert Hensen
Welleat GmbH - Nahrung bewußt ergänzen - mach2

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